Natriumbicarbonat für den Leistungspush?

Seit einiger Zeit kursiert Natriumbicarbonat besonders in Kreisen des Ausdauersports wie Radfahren und Schwimmen, aber auch im Trendsport Hyrox als potentieller Leistungspush. Das meist in Kapselform angebotene, frei verkäufliche Supplement verspricht verbesserte Leistung und Ausdauer bei sportlichen Belastungen für ca. 1€ pro Tagesdosis. Diverse Hersteller bieten online Kapseln oder Pulver an und auch auf Forschungsportalen findet man immer mehr Studien, die den Einfluss von Natriumbicarbonat untersuchen.

 

Was ist dran an der versprochenen Leistungssteigerung durch Natriumbicarbonat?

Diese Frage habe ich mir Ende letzten Jahres zum Masterarbeitsthema gemacht, um ihr vollständig auf den Grund zu gehen.

Damit ich auch selber aktiv daran forschen kann, habe ich zusätzlich zur üblichen Recherche einen Versuch für eine Stichprobe von ca. 10 Teilnehmenden entworfen. Beantwortet werden soll nicht nur die Hauptfrage sondern auch:

 

Wie wirkt Natriumbicarbonat?

Wie stark wirkt es überhaupt und bei wem?

mit anderen Worten:

Wer kann davon wirklich profitieren?


Der propagierte Wirkmechanismus von Natriumbicarbonat läuft über das Puffersystem im menschlichen Körper, das bei sportlicher Belastung dafür sorgt, dass möglichst lange möglichst viel entstehendes Laktat aus dem Muskel abtransportiert wird, um eine Übersäuerung - also letztendlich die muskuläre Erschöpfung - zu verhindern. Natriumbicarbonat soll in diesem Puffersystem unterstützend wirken und so nicht nur die Leistung erhöhen, sondern auch die Erschöpfung hinaus zögern. Genaueres zum Wirkmechanismus von Natriumbicarbonat werde ich in dieser Blogreihe noch erklären. Mein Versuch zielt darauf ab, diese Art von muskulärer Erschöpfung in einem Intervalltest zu erzeugen, also die Teilnehmenden an und über ihre sogenannte Laktatschwelle hinaus zu bringen. Hier wird mehr Laktat produziert, als der Körper effektiv abtransportieren kann, was zu unmittelbarer Erschöpfung führt. So will ich untersuchen, ob die Gabe von Natriumbicarbonat wirklich eine signifikante Auswirkung auf die körperliche Leistung und Ermüdung hat.

Hier der Ablauf in Kurzform:

Versuchsdesign für die Studie über Natriumbicarbonat. Ein Supplementierungsexperiment mit Intervall-Sprinttest auf dem Fahrradergometer.

Es handelt sich um ein Supplementierungsexperiment mit einem Intervall-Sprinttest auf dem Fahrradergometer.
Jede teilnehmende Person absolviert den Versuch zwei mal, einmal mit einem Placebo (Maisstärke-Kapseln) und einmal mit Natriumbicarbonat. So dient sich jede Person bei dieser kleinen Studienpopulation als eigene Kontrolle. Um mögliche Magenbeschwerden speziell bei der Bicarbonat-Einnahme zu vermeiden habe ich mich für magensaftresistente Kapseln entschieden, die oben auf den Bildern zu sehen sind.

Nach der obligatorischen Aufklärung und Einverständniserklärung folgt direkt die Einnahme von 0,3g pro kg Körpergewicht Placebo bzw. Natriumbicarbonat. Ähnlich anderen Studien in diesem Bereich wird 45 Minuten einwirken gelassen. Dann geht es aufs Fahrrad. Bei niedrigem Widerstand gibt es ein 10-minütiges Warm-Up. Danach startet der eigentliche Sprinttest mit einem individuell eingestellten Widerstand von 4 Watt pro kg Körpergewicht, damit die Versuchsbedingungen möglichst gleich für alle sind. Bis zur Erschöpfung werden wiederholt 120-sekündige Intervalle gefahren, zwischen denen immer zwei Minuten Pause liegen.

Erfasst werden als Leistungsparameter die Trittgeschwindigkeit in RPM (rounds per minute) und die Herzfrequenz.

 

Im nächsten Post zu diesem Thema gibt es genaueres zur Auswertung meines Versuchs und zu den Stärken und Schwächen dieser Art von Forschung!